15/10/2013

Horsta Concordia (15-10-2013)

Dienstagnacht. Liege auf dem Sofa und schaue im Fernsehn der Bergung der Costa Concordia zu. Das zieht sich.
Bin völlig kaputt. Sollte eigentlich längst ins Bett gegangen sein, aber schaffe es einfach nicht aufzustehn. Zu müde zum ins Bett gehen. Boarhh, bin ich kaputt. Schaue wieder zur Costa Concordia. So aus dieser Perspektive, also von der Seite her im Liegen betrachtet, sehen wir uns erschütternd ähnlich. Wer uns beiden wohl als Erstes wieder aufgerichtet ist? Das könnte ein ganz enges Rennen werden.
Wobei, ein fairer Wettbewerb ist das nicht. Die Costa Concordia hat schliesslich ein Riesenteam von Ingenieuren, Mathematikern und anderen Spezialisten. Seit über einem Jahr machen die nichts anderes als das Drehen des Schiffes vorzubereiten. Alles ist berechnet, nichts dem Zufall überlassen. Man hat nur eine Chance!
Ich dagegen… habe mir alles selbst beigebracht, bin ein Aufstehautodidakt, der ohne Spezialisten und wissenschaftliche Berechnungen, das sich Hochhieven irgendwie improvisieren muss. Dabei habe auch ich nur eine Chance. Wenn ich quasi nur halbaufgerichtet aufs Sofa zurückfalle, werde ich wahrscheinlich sofort einschlafen. Mit praktisch unfkalkulierbaren Folgen, ja Gefahren für das gesamte Umfeld, den nächsten Tag und meinen Rücken. Im Falle einer Sofa-Havarie der Horsta Eversoria ist das gesamte Ökosystem Fernsehcouch bedroht. Nachhaltig.
Ein Jahr Vorbereitung zur Aufrichtung der Costa Concordia und ich versuche das gerade mal seit ein oder zwei Stunden.
Es gibt ja Leute, die behaupten, der ganze Aufwand, der bei sowas, wie der Bergung der Costa Concordia mittlerweile betrieben wird, sei völlig übertrieben. Ich kenne einen Hobbybauern aus Brandenburg, der meint: „Vor 60 Jahren, also in den 50ern, hätte man einfach zu den umliegenden Altmetallhändlern gesagt: Nehmt Euch, was Ihr brauchen könnt und nach zwei, drei Wochen wäre das ganze Wrack weggewesen.“
Gut, rein umwelttechnisch wäre das zwar wahrscheinlich ne ziemlich Sauerei geworden, aber andrerseits war die Umwelt in den 50er Jahren ja quasi noch gar nicht erfunden.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn zwischen Hannover und Berlin ist seit vier Monaten gesperrt. Weil das Hochwasser zuviel Schotter aus dem Gleisbett gespült hat. Verstehe nicht, warum es so kompliziert ist, Schotter aufzufüllen. Ein Sprecher der Bahn meinte neulich, „Die Sache sei sehr, sehr viel verzwickter als sie klinge.“
Das glaube ich sofort, weil klingt ja erstmal…egal.
Dann meinte er aber auch: „Man müsse und wolle auch die natürlichen Kreisläufe berücksichtigen.“ Das hat mich beunruhigt. Natürliche Kreisläufe? Heisst das womöglich, die warten jetzt bis zum nächsten Hochwasser? In der Hoffnung, daß dann zufällig angespülter Schotter aus Tschechien oder so, die Gleisbetten von selbst wieder auffüllt?
Die Costa Concordia hat mittlerweile wieder 12 Zentimeter geschafft. Ich dagegen stagniere. Gut, da ich mir keine externen Ingenieure für mein Aufstehen leisten kann, muß ich einen anderen Plan entwickeln. Italiener und Engländer machen es mit Technik und Milliarden Bergungskosten, aber hier auf dem Sofa liegt ja quasi Deutschland, also das Land der Ideen. das bin ich, also eben quasi.
Greife mir die mittlerweile zimmerwarme Halbliterflasche Bier und stürze sie zügig runter. Das sollte dafür sorgen, daß ich in Kürze sehr dringend auf Toilette muß, was ja als Aufstehmotivation praktisch unübertroffen ist.
Eine halbe Stunde später ist es soweit. Wuchte mich hoch und schleppe mich zur Toilette. Ha, durch Genie und entschlossenes Handeln konnte ich eine Katastrophe, also das Einschlafen auf dem Sofa verhindern. Leistung hat sich doch mal wieder gelohnt. Bin stolz. Schlafe dann 5 Minuten später auf der Toilette ein. Naja.

By evers | Published in: Geschichten

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