Author: Helferlein

Für Eile fehlt mir die Zeit

Andere nennen es Alltag. Horst Evers nennt es Schikane.

«Mir passieren auch schlimme Sachen. Zum Beispiel habe ich eine elektrische Saftpresse zum Geburtstag bekommen. Wenn man erst einmal so weit ist, dass die Menschen es einem nicht mehr zutrauen, das Obst roh, am Stück beißen zu können, sondern einem elektrische Saftpressen schenken, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Mit dem Obst fängt es an, aber bald schon wird dir diese Maschine vermutlich auch das Mittag- und Abendessen pürieren. Das ist der Lauf der Welt. Mit Brei beginnen wir, mit Brei enden wir. Die Klammer des Lebens, letztlich ist sie das Püree. Aber am Ende sind wir natürlich froh, dass wir das Püree haben. Die Welt ist sonst schon hart genug.»

Quasi Weltmeister

So nachdem jetzt Deutschland mit diesem 4:0 gegen Australien quasi direkt im ersten Spiel mehr oder weniger Weltmeister geworden ist, überlegen ja schon viele, ob sie sich dann die restlichen Spiele überhaupt noch angucken sollen. Eigentlich ist der Drops ja schon gelutscht.

Zu Ehren des hochanständigen Weltmeistermachers Australien gibt es hier den WM-Teilnehmer-Erklärungstext: “Wie ist eigentlich so der Australier?”

Aufgrund der vielen WM-Teilnehmer und der daher geschriebenen 32 WM-Teilnehmer-Erklärungstexte wird wohl schon in 2 bis 3 Tagen hier der nächste Text: “Wie ist eigentlich so der Nordkoreaner?” erscheinen.

Wer auch mal wieder was anderes als Fußball sehen möchte, dem sei dringend die Parkbühne Biesdorf empfohlen.
Am Sonntag, den 20. Juni spielen dort Benedikt Eichhorn und ich unsere Bezirkslieder. Erstmals Open-Air, auf grosser Bühne, mit allen, wirklich allen Bezirken und vielen neuen Geschichten. Wir freuen uns sehr auf diesen Abend und sind auch ein bisschen aufgeregt. Los geht es um 19.30Uhr, die Karten kosten 10.-Euro im Vorverkauf, 15.- an der Abendkasse.

Vorher am Donnerstag bin ich bei den Brauseboys im LaLuz zu Gast. Die Vorstellungen am Freitag in der Dorotheenstädtischen Buchhandlung Moabit und am Samstag im Seebad Friedrichshagen sind leider schon ausverkauft.
Sonntag um 13.00Uhr ist natürlich wie immer Frühschoppen im Schlot.

Am Montag nehme ich im BKA-Theater ein Hörbuch zum Buch “Die Welt ist nicht immer Freitag” auf. Vornehmlich geht es hier um die Texte des Buches, die bislang noch nicht auf CD erschienen sind. Eine relativ genaue Playlist für den Abend wird hier vielleicht noch am Montagmorgen erscheinen. Karten für diesen Abend gibt es im BKA.

WM-Nationen: Australien

Wie ist eigentlich so der Australier?

Genaugenommen ist das Australien, so wie wir es heute kennen, entstanden als Sträflingsinsel. Die Engländer, immer mal für eine krude Idee gut, beschlossen im 18. Jahrhundert, weil ihre Gefängnisse überliefen, einfach ein paar Schiffe mit Straftätern nach Australien zu schicken.
Das war für die, die schon in Australien wohnten, also die Aborigines, natürlich ein bisschen doof. Man stelle sich vor, heute würde auf einmal irgendein Land, sagen wir mal Belgien, seine Straftäter alle auf ein Schiff laden und dann zum Beispiel auf Sylt absetzen. Da würden die Sylter aber auch ganz schön gucken.

Nach Australien werden heute nur noch ganz selten, ganz wenige Häftlinge von Europa aus geschickt. Diese müssen dann in irgendeinem Dschungelcamp Würmer und Käfer essen oder werden von 5 Tonnen Kakerlaken überschüttet oder müssen eine Spinnenkönigin heiraten und solange deren Eier ausbrüten, bis Dirk Bach und Sonja Zietlow das nicht mehr lustig finden. Das ist ihre Strafe dafür, dass sie überhaupt beim Dschungelcamp mitmachen, was jetzt rein rechtsphilosophisch eine interessante Fragestellung aufwirft. Wenn die Tat selbst auch bereits die Strafe für die Tat ist, wo beginnt dann die Strafe und wo endet die Tat? Oder anders herum.
Diese direkte geradezu symbiotische Verbindung von Strafe und Tat kennen wir sonst aus dem Alltag eigentlich nur noch, wenn jemand trotz ausdrücklichem Verbotsschild an einen Elektrozaun pinkelt oder meinetwegen auch wenn jemand einen Microsoft-Computer klaut.

Der durchschnittliche Australier steht morgens früh auf, wirft seinen Boomerang und brät sich dann erstmal ein schönes, großes Straussenei.
Alle Australier sehen übrigens so aus wie Hugh Jackmann oder Nicole Kidman. Also je nachdem.
Am Nachmittag schert der Australier rund 2000 Schafe, ehe er sich einen Topf rote Farbe nimmt und Ayers Rock frisch streicht, bevor er sich gegen Abend in der weltberühmten Sydneyrerer Oper ein Didgeridoo-Konzert anhört.
Hinterher muss er allerdings schnell los, denn er will natürlich zuhause sein , wenn der Bomerang zurückkommt. Aber dann sagen sich, nach einem langen und erfüllten Tag, auch in Australien Koala und Känguru gute Nacht.

Großer Bahnhof

Keine Furcht, es ist kein Programm über die Bahn, Verspätungen oder riesige Bahnhofsbauten in Berlin, Stuttgart oder anderswo. Es geht vielmehr um die großen, die ewigen Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Is das weit? Muss ich da mit? Vor allem aber auch: Holt mich wohl jemand ab? Suchen wir nicht alle jemanden, der uns wenigstens einmal, und sei es nur für ganz kurz, einen großen Bahnhof bereitet?

Ab Herbst 2010

Bild von Tambako the Jaguar, Flickr unter (cc)

Bild von Tambako the Jaguar, Flickr unter (cc)

Immer bereit

Nach Horst Köhlers Rücktritt haben mich viele Fragen erreicht. Hierzu in aller Kürze:
  • Ja, ich würde nachdenken, würde man mir das Amt antragen.
  • Ja, ich würde auch nachdenken, würde man mir das Amt nicht antragen.
  • Ja, ich wäre auch bereit mich von Horst Köhler adoptieren zu lassen und seinen Namen anzunehmen, um Steuergelder zu sparen, also von wegen Briefkopf, Türklingel, Einladungskarten, Ankündigungen u.s.w.
  • Nein, ich hätte auch keine Probleme damit, als Billiglösung gehandelt zu werden.
  • Ja auch beim Gehalt würde ich mit mir reden lassen. Eine Auszahlung in Naturalien oder ein lebenslanges Wohnrecht in Schloss Bellevue als Teil der Aufwandsentschädigung wären vorstellbar.
Allerdings wird auch bereits gemunkelt, es gäbe eine Kampagne der deutschen Kabarettisten für Stoiber als Bundespräsident.
Am Mittwoch, den 2. 6. fahre ich nach Lindau zum Schloss Achberg, um dort zu spielen. Am Donnerstag geht es dann in die Schweiz, nach Bern, Ölten und Wädenswil. Auf diese Abende freue ich mich sehr.
Am 10. 6., dem letzten Abend vor der WM nehmen wir dann wieder in der A-Lounge die Ländererklärungstexte zu den WM-Teilnehmern auf. Karten hierfür kann man leider nirgends kaufen, sondern nur gewinnen, bei “Zwei auf Eins” auf radioeins. Diese geheimen Erkenntnisse über Natur und Wesen der WM-Nationen habe ich zum Teil aus jahrelangen privaten Recherchen erobert, wie auch der kleine Auszug aus den Notizen zu Paraguay zeigt…

WM-Nationen: Paraguay (Auszug)

Im Jahr 1987 habe ich einmal 3 Wochen mit dem Bassisten einer paraguayanischen Band zusammengewohnt. Wer schon einmal mit einem Musiker zusammengewohnt hat weiß, das ist nicht immer unbedingt einfach. Speziell Bassisten, so sagt man, haben ja ihren ganz eigenen Rhythmus. Nicht nur musikalisch. Also ich möchte es einmal so sagen: Wenn Paraguay auch nur annähernd in etwa so organisiert ist, wie Rodrigo, mein damaliger Mitbewohner, dann hat das Land sicher sehr, sehr, sehr große Probleme.
Eines Abends nun wollte mich Rodrigo zu einem Konzert von Rosalie, seiner Band, mit ins Quasimodo nehmen. Im Quasimodo jedoch mussten wir zu Rodrigos grosser Überraschung erfahren, dass Rosalie gar nicht im Quasimodo spielen würde, sondern wohl in irgendeinem anderen Club irgendwo in der Stadt. 1987 gab es noch keine Handys, es gab auch kein Internet, Twitter oder Facebook, ja es gab ja noch nicht einmal Hedgefonds oder Latte Macchiato.
Dennoch verfiel Rodrigo aber nicht im allergeringsten in Hektik oder gar Stress. Im Gegenteil. Mit der ganzen, eines Bassisten würdigen Entspanntheit und einem tiefempfundenen, aufrichtigen Desinteresse an allem, was wir Aussenstehende gemeinhin als Welt, Leben oder Mitmenschen bezeichnen, setzte er sich an den Tresen und bestellte einen Filterkaffee. Diesen trank er in aller Seelenruhe mit einem Gesicht, das allen Aussenstehenden klarmachte, zur Not würde er hier auch einfach solange weiter Filterkaffee trinken, bis endlich der Latte Macchiato erfunden würde.
Rund eine Stunde später erschien plötzlich die Freundin des Bandleaders um Rodrigo abzuholen. Sie erklärte mir, Rodrigo weigere sich aus unerfindlichen Gründen bei rund 2 Drittel der Auftritte, sich die Auftrittsorte zu merken oder auch aufzuschreiben. Stattdessen fahre er dann immer ins Quasimodo in der Hoffnung dort wäre der Auftritt. Wenn nicht, setze er sich halt an den Tresen und warte dort, bis ihn irgendjemand abhole.
Als ich Rodrigo zwei Tage später fragte, warum er sich dann eigentlich nicht immer gleich von zuhause abholen liesse, wurde er sehr, sehr wütend und brüllte mich an: Das wäre ja dann wohl total unprofessionell, er sei schließlich kein kleines Kind, dass man von zuhause abholen müsste.
Ansonsten sind die Paraguayer aber sehr, sehr nette, herzliche und großzügige Menschen, die auch wirklich gute Musik machen können. Allerdings machen sie nie den Abwasch, putzen auch nie das Klo, rauchen selbst unter der Dusche und schlafen auch gerne mal auf dem Küchenboden, mit dem Gesicht in der Minipizza, die sie sich noch gerade auf dem Nachhauseweg besorgt hatten.
Also alles in allem kann man eigentlich sagen: Menschen wie Du und ich.

Glückwünsche

Viele Glückwünsche für Wolf-Tassilo Sack. Der hat gerade mit seiner Diplomarbeit, einer Filmadaption meiner Jennatschek-Geschichte den Golden-Remy-Award des Filmfestivals in Houston-USA gewonnen. Davor hatte er mit seinem Film auch schon den Nachwuchspreis des Grenzlandfestivals gewonnen. Hier kann man den Filmtrailer bestaunen.

Glückwunsch auch an Hessen zum Rücktritt von Herrn Koch. Wer da was in der Hand hatte, was warum nicht an welche Öffentlichkeit sollte, weshalb Herr Koch dann jetzt lieber mal in den Sack gehauen hat, werden wir wohl leider nie erfahren. Wird aber wohl schon ein ziemliches Kaliber sein…

Mittwoch fahre ich nach Bonn, zur nächsten Vorleser-Ausgabe. Diesmal mit Herbert Feuerstein, Ralf Sotschek, Tilmann Birr und Jan Böhmermann. Das Thema heißt “Reisen”. Aus Recherchegründen bin ich extra für diese Sendung über Ostern nach Schottland gereist, um am Mittwoch unter anderem meinen Reisebericht vorlesen zu können. Einen ersten kleinen Ausschnitt findet Ihr hier.

Wissenswertes über Schottland (Auszüge)

…Das wohl berühmteste Vorurteil, Schotten seien geizig, ist übrigens völliger Quatsch. Geiz würde ja bedeuten, dass sie ihr Geld um jeden Preis behalten wollen oder erst einmal unbedingt möglichst viel Geld anhäufen wollen, dass sie dann um jeden Preis behalten wollen. So sind sie aber gar nicht. Sie können nur Verschwendung oder das, was sie für Verschwendung halten schwer ertragen. Vor allem und erst recht nicht bei anderen.

Immer wieder bekamen wir aufgrund der Höhe unserer Trinkgelder von Taxifahrern, Kellnern oder Wirten tadelnde Blicke, verständnisloses Kopfschütteln oder offene Kritik zu hören. Und zwar immer, weil sie es zu viel fanden, weil sie unseren unvernünftigen, verschwenderischen, zügellosen Umgang mit Geld nicht mit ansehen konnten. Mit einem Taxifahrer, der 8,80 auf der Uhr hatte und dem ich 10 Pfund geben wollte, musste ich ungelogen ca. 2 Minuten lang feilschen, bis er endlich bereit war 9,50 anzunehmen. In Berlin kaum vorstellbar. Kellner oder Wirte denen ich wirklich ganz normale, deutschlandübliche Trinkgelder gegeben habe, redeten auf mich ein, damit ich endlich zur Vernunft käme. Meist haben sie dann in ihrer Not dem Kind noch schnell ein paar Süssigkeiten zugesteckt, die im Regelfall viel mehr wert waren als das Trinkgeld.

Der Taxifahrer, der uns von der Fähre zum Hotel fahren sollte, hat uns unter Tränen versucht den Busplan zu erklären…

…Schottland hat also viele Vorzüge, die Landschaft, die Menschen, die Städte, alles toll. Das beste an Schottland jedoch, das beste ist eigentlich die schottische Küche.

Wer die englische Küche kennt, der fürchtet sie. Zurecht. Und warum fürchtet er, kulinarisch gesehen, nichts so sehr wie die englische Küche? Weil er die schottische Küche noch nicht kennt.

Die schottische Küche ist fett, extrem fleischlastig, aber auch fett, total eintönig, außerdem fett, völlig Weißmehl fundamentiert, ausgesprochen fett, absolut vitaminfrei weil komplett verkocht und zudem noch sehr, sehr, sehr fett. Also ich sag mal, also mir schmeckts, ………ziemlich gut sogar, aber gesund, nee, gesund ist das nicht.

Ein Beispiel für die schottische Küche: Als ich am ersten Morgen, beim Frühstück im Hotel fragte, ob es auch Vollkornbrot gäbe, sagte die sehr, sehr nette Hotelfrühstücksfrau: Also Vollkornbrot in dem Sinne hätten sie jetzt zwar nicht, aber sie können gerne den Toast für mich zweimal, also ganz dunkel toasten, dann sei das ja so ähnlich wie Vollkornbrot…

Sportstadt Nr. 1

Theater ist soviel mehr, kann soviel mehr, als uns Schauspielhäuser, Opern oder Off-Bühnen zeigen können. Besonders in Berlin kann man zu jeder Zeit an jedem möglichen Ort das Wunder einer Aufführung erleben. Dazu folgendes Dokument.

9. Mai, Sonntagnacht, 1.30Uhr in Berlin-Kreuzberg. Am Stehtisch einer Currywurstbude steht ein angetrunkener Mann und murmelt vor sich hin. Mehrfach macht es den Eindruck, er würde nun doch, nach großem Kampf, mit dem Gesicht in seine Wurstpappe fallen, dann jedoch wirft er sich plötzlich in Pose und beginnt seinen Monolog

“Gute Currywurst hier. Sehr gute Currywurst. So eine gute Currywurst bekommt man sonst vielleicht höchstens noch … in Hamburg. Grossartige Stadt dieses Hamburg. Ich war heute in Hamburg! Großartige Stadt. Ganz Hamburg hat da ja heute den Bundesliga-Aufstieg von St. Pauli gefeiert. Ganz Hamburg. Jetzt hat Hamburg zwei Bundesliga-Vereine. Ganz toll. Es gibt andere Städte, die sind vielleicht sogar größer, vielleicht sogar ein bisschen wichtiger und wieviele  Bundesligisten haben die? Wer will mal raten? Aber Hamburg. Hamburg hat natürlich zwei. Ganz toll.

Hoffenheim! Hoffenheim hat 35.000 Einwohner. Also eigentlich nichtmal Hoffenheim, sondern Sinsheim! Die eigentliche Stadt heißt ja Sinssssheim! Sinsssssssheim!!! 35000 Einwohner und hat mehr Bundesligisten als Berlin.

35.000 Einwohner! Allein in einer Strasse, z.B. mal: Landsberger Allee!

Landsberger Allee in Marzahn, da wohnen mehr Menschen als in gansssss Sinsssssheim. Wie kann eine Stadt soviele Strassen haben wie Berlin und nirgends wohnt mal einer der Fussball spielen kann?

MainZssss! Kaissessssslautern! Mönschengladbach und Woffffsburg haben zusammen…  Zusammen haben die weniger Einwohner als Neukölln!!! Und jeder Einzelner hat mehr Bundesligisten als ganz Berlin.

Die ganze Welt lacht über uns. Die ganze Welt.

Fulham! Fulham!!! Ikea-Tempelhof verkauft am Samstagvormittag mehr Hot Dogs als ganz Fulham Einwohner hat. Und die waren im Europa-Pokal-Finale. also Fulham!, nicht Ikea-Tempelhof.

Ganz Sinssssheim, also die ganze Stadt Sinsssheim könnte zweimal ins Olympiastadion gehen und das wär noch nichtmal ausverkauft!!! Aber die haben mehr Bundesligisten als Berlin. Oder Hoffenheim, das ganz eigentliche Hoffenheim. Das könnte sogar in die o2-Arena!!! und es wär immernoch Platz für ein Pferdemusical!!!”

Der Mann macht eine Pause, schaut lange und anklagend in die ratlosen Gesichter der anderen Currywurstbudenbesucher. Dann hebt er wieder an:

“Wahrscheinlich war es ja nur diese Bescheidenheit. Diese typische Berliner Bescheidenheit. Diese verdammte, typische berliner Bescheidenheit.  Das kann natürlich auch sein. Dieses: Wir hamm hier doch schon alles. Hier ist doch schon alles so toll. Jetzt sollen auch mal die anderen… also München zum Beispiel, die hamm ja sonst nichts, dann lass denen wenigstens den Fussball… da is ja sonst nichts groß, wenn die nicht wenigstens den Fussball hätten… Das kann jetzt natürlich auch sein. Diese typische berliner Höflichkeit. Ja, das wird es sein, aber nach außen sieht das dann natürlich aus als wären wir zu doof zum Fussballspielen… Schade!!! Dabei ist das eigentlich nur Bescheidenheit, nur…”

Er gerät ins unverständliche Murmeln, dann verstummt er ganz, dreht sich und entschwindet zügig in die Berliner Nacht.

Das verblüffte Publikum schaut ihm nach, einzelne klatschen.

Wohnungseinrichtung

Ich kenne Menschen, die meine Wohnung kennen, die einfach anfangen zu lachen, wenn ich einen Satz beginne mit:

»Meine Wohnungseinrichtung…«

»Deine was?«

»Meine Wohnungseinrichtung.«

»Du meinst, die Sachen, die in deinem Zimmer rumstehen?«

»Meine Wohnungseinrichtung.«

»Mann, Wohnungseinrichtung, das kommt von Einrichten. Man richtet darüber, wo warum welches Möbelstück steht. Du aber bist für deine Wohnung Richter und Henker zugleich. Sag lieber Wohnungshinrichtung.«

»Das stimmt nicht, ich habe mir viele Gedanken über meine Wohnungshinrichtung…«

»Hör mal, ich weiß noch genau, wie ich dir vor acht Jahren beim Einzug geholfen und gefragt habe: Wo soll der Tisch hin? Und du hast gesagt, stell einfach irgendwo ins Zimmer, wo Platz is. Der Tisch steht heute noch genauso da. Nach acht Jahren. Wohnungseinrichtung!«

»Naja, um ehrlich zu sein, es wäre mir lieber gewesen, du hättest ihn etwas näher zur Wand gestellt. Er steht oft ziemlich im Weg. Wenn ich abends das Licht ausmache und zum Bett gehe, stoße ich immer nochmal gegen den Tisch. Seit acht Jahren schlafe ich immer mit einem schmerzenden Knie ein. Ich hab mich schon richtig daran gewöhnt. Als ich kürzlich im Supermarkt von einem fremden Einkaufswagen einen Schlag gegen das Knie bekam, bin ich sofort eingeschlafen. Ich muß noch ein paar Schritte gegangen sein und hab mich dann in die Tiefkühltruhe gelegt. Blöde Situation gewesen das.«

WP SlimStat