Willkommen auf den neuen Heimseiten von Horst Evers

Vieles ist schon schön geworden. Manches braucht noch ein bisschen, aber alles ist in Behandlung. Es gibt Informationen über die Programme, die Veranstaltungen, Bücher, CDs und über Horst Evers selbst.
An jedem Dienstag erscheint ein neuer Text oder zumindest Textschnipsel im Blog. Andere Neuigkeiten, wichtige Mitteilungen oder Kommentare zum Weltgeschehen kommen natürlich auch mal zwischendrin.

Natürlich kann jeder Kommentare und Grüße, Beschwerden und Lob, Lehrreiches und Verwirrendes auf der Seite hinterlassen. Um jedoch unnützem Spam den Zugang zu verweigern, werden alle Beiträge zunächst von einer internationalen, konfessionsübergreifenden und fachkundigen Jury geprüft, ehe sie freigeschaltet werden. Dies kann auch schonmal ein wenig dauern. Das ist zwar ein wenig schade, aber notwendig, um sexistische, rechtsradikale oder kapitalistische Inhalte von den Seiten fernzuhalten. Also zumindest von sexistischen, rechtsradikalen oder kapitalistischen Inhalten, die von außen kommen.

Bis bald,
Horst

Die Live-Aufnahme des Hörbuchs zum neuen Geschichtenband (3-11-2016)

Vor ziemlich genau einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle:
„Jedes Jahr, wenn sich mein Nachbar Rüdiger aus dem zweiten Stock wieder eine Flasche Vodka kauft, 24 Striche an den Rand macht und behauptet, das wäre nun quasi sein Adventskalender, weiß ich: Das Jahr neigt sich dem Ende zu.“

Aus diesem Absatz ist mittlerweile eine ganze Geschichte geworden, die auch in meinem neuen Geschichtenband „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“ enthalten sein wird. Der erscheint am 25. Januar 2017. Das Hörbuch dazu werde ich an drei Abenden im Mehringhoftheater live vor Publikum einlesen. Nämlich an den Sonntagen 6. und 13. November um 18.00 Uhr, sowie am Dienstag dem 15. November um 20.00 Uhr. Der erste Sonntag, am sechsten, ist schon sehr ausverkauft. Für die anderen beiden Termine gibt es aber noch Karten. Es werden ohne Frage besondere Abende.

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Rundherum darum bin ich aber suchpraktisch durchgehend auf Tour. Heute am 3. November im Magdeburg, morgen in Neuruppin und Samstag in Rostock.
Nächste Woche fahre ich noch weiter. Nach Pforzheim, Stuttgart, Lauf und Darmstadt. Um ab dem 22. November in Bochum, Bonn, Dortmund, Köln-Sülz, Düsseldorf und Kiel die Solo-Auftrittstournee für dieses Jahr zu beenden. Einige Termine hiervon sind ausverkauft. Andere, wie insbesondere Pforzheim und Stuttgart am 9. und 10. November haben aber noch durchaus Kapazitäten.

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Nach dem 27. November beginnen dann wieder die Vorbereitungen und Proben für den Jahresrückblick. Doch dazu vielleicht in Kürze mehr.

Nebendran gibt es noch den Anfang einer der neuen Geschichten aus dem im Januar erscheinenden Buch. Den Rest und mehr kann man bei der Hörbuchaufnahme erleben oder eben später im Buch nachlesen.

allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Es ist nicht das, wonach es aussieht

Mittwochnachmittag. Stehe in der Lingerie-Abteilung eines großen Textilkaufhauses und fotografiere Mädchenunterhosen. Wobei, so ein Satz lappt womöglich ins Missverständliche.

Tatsächlich brauchte ich T-Shirts. Daher bat mich die Tochter doch gleich auf dem Weg auch ein paar Unterhosen für sie zu besorgen. Im riesigen Dessous- und Wäschebereich des gewiss eher an ein jugendliches Publikum ausgerichteten Discounters fand ich es jedoch reichlich unübersichtlich. Da ich mittlerweile weiß, wie schnell man was verkehrt macht, habe ich also die Tochter noch einmal angerufen. Um auf Nummer Sicher zu gehen. Die wiederum meinte, ich solle doch einfach schnell die verschiedenen, infrage kommenden Unterhosen fotografieren, ihr die Bilder schicken und dann könne sie auswählen.
Also steht nun in diesem riesigen, hippen Jugendlichen-Modekaufhaus inmitten hunderter junger Mädchen ein einzelner mittelalter, untersetzter, kahlköpfiger Mann und schwenkt Mädchenunterhosen. In ein irgendwie günstiges Licht. Betrachtet sie. Um sie dann zu fotografieren. Und denkt sich… -nichts dabei.
Eine Verkäuferin spricht mich an:
„Entschuldigung, was machen Sie denn da?“
Aus irgendeinem Grunde erschrecke ich mich. Habe, warum auch immer, ein schlechtes Gewissen. Versuche mich daher, einem schwachsinnigen Reflex folgend, hinter der purpurfarbenen Mädchenunterhose in meiner Hand zu verstecken. Wer heutige Mädchenunterhosen und die Größe meines Kopfes kennt, wird sich denken können: Das gelingt nur höchst unzureichend. Und tatsächlich: Die Verkäuferin kann mich immernoch sehen. Sie wiederholt ihre Frage:
„Was machen Sie denn da?
-Es ist nicht das, wonach es aussieht.
-Nein?
-Nein. Gar nicht.
-Ach. Dann stehen Sie also nicht hier in unserer Lingerie-Abteilung und fotografieren Mädchenunterhosen?
-Nein. Das heisst doch. Also schon einerseits, aber… weiß nicht.
-Sie wissen nicht, ob Sie Mädchenunterhosen fotografieren?
-Doch, das schon, aber es ist nicht das, was sie denken.“
Sie überlegt. Eine ganze Weile, sagt schliesslich:
„Sie Schwein!“
Wehre ab. „Moment, das ist ungerecht. Ich sagte doch, es wäre nicht das, was Sie denken.“
Sie nickt.
„Eben. Ich dachte, wahrscheinlich fotografiert er die Unterhosen, um so seine Tochter per Telefon zu fragen, welche er kaufen soll. Aber da es ja nicht das ist, was ich denke, sind Sie offensichtlich doch ein Schwein.“

-Fortsetzung folgt beim Einlesen des Hörbuchs oder im Januar im neuen Geschichtenband-

Letzte Lesungen vorm Jahresrückblick (21-11-2015)

Jedes Jahr, wenn sich mein Nachbar Rüdiger aus dem zweiten Stock wieder eine Flasche Vodka kauft, 24 Striche an den Rand macht und behauptet, das wäre nun quasi sein Adventskalender, weiß ich: Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Doch vorher ist noch einiges zu tun.

Gleich am Montag, den 23. November, 19.00Uhr, nehmen wir noch einmal Geschichten für Radio eins auf. Die Karten werden in der „2 auf 1“-Sendung am Sonntag, den 22. November verlost. Irgendwann zwischen 9.00 und 11.00 Uhr wahrscheinlich.

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Mittwoch bis Samstag spiele ich mein Programm in Bremerhaven, Buchholz, Münster und Wilhelmshaven. Bremerhaven ist sehr ausverkauft. Bei den anderen drei Orten könnte man aber wahrscheinlich noch Karten bekommen können.
Sonntag bin ich auch schon beinah traditionell zum Jahresende Gast bei der Intensivstation. Diesmal in Peine.

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Im Dezember beginnen die Proben zum Jahresrückblick. Ein wirklich schwieriges Jahr, wir sind selbst sehr gespannt, wie wir damit umgehen werden. Wer dies sehen möchte, aber noch keine Karten hat, sollte sich jetzt recht bald darum kümmern. Die meisten Vorstellungen sind leider schon ausverkauft, aber noch nicht alle.
Außerdem lese ich gerade das Hörbuch meines neuen Romans ein, den ich Ende Januar 2016 wieder live auf radio eins vorstellen werde. „Alles ausser irdisch“ heisst er, ist eine Science-Fiction-Geschichte und etwas, auf das ich mich wirklich sehr freue. Doch dazu demnächst von hier mehr.

Nebendran gibt es noch passend zur Jahreszeit eine Folge aus meiner Reihe:
„Die schönsten Weihnachtsmärkte der Welt“ diesmal: Spandau

allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Die schönsten Weihnachtsmärkte der Welt Folge 27: Spandau (21-11-2015)

Ein in Spandau gebürtiger Freund erklärte mir einmal, jeder Weihnachtsmarkt habe seine Spezialität. In Nürnberg gäbe es den Lebkuchen, in Aachen die Printen, in Dresden den Stollen und in Spandau auf die Fresse. Das ist Quatsch. Viele sagen der Spandauer Weihnachtsmarkt sei der schönste Berlins. Da will ich kein abschliessendes Urteil wagen. In jedem Falle aber ist er ganz sicher der schönste Weihnachtsmarkt Spandaus.
Traditionell in der dritten Adventswoche fuhr der Kinderladen der Tochter dorthin. Ich wurde von den beiden Erzieherinnen als Begleitperson geködert mit dem schönen Satz: „Man muss da eigentlich nichts groß machen, es ist nur manchmal schön noch jemand Drittes dabei zu haben.“
Sätze, die mit „Man muss da eigentlich nichts groß machen…“ beginnen, liegen übrigens ganz weit vorne in meiner inoffiziellen Liste der 20 Sätze, die immer gelogen sind.
Knapp gefolgt von: „Das kann man gar nicht verfehlen“ und „Dein neuer Haarschnitt macht Dich 20 Jahre jünger.“ Obwohl, das hat auch seit zwanzig Jahren niemand mehr zu mir gesagt. Da hatte ich nämlich meinen letzten Haarschnitt. Seitdem ist mein Haarschnitt ja quasi selbstregulierend.
Nachdem sich eine Erzieherin am Morgen krank abgemeldet hatte, meinte die Andere: Da sehe man, wie gut es sei, jemand Drittes dabei zu haben. Ich erwiderte, jemand Drittes, sei nur solange jemand Drittes, wie es jemand Zweites gebe. Woraufhin ein Kind mich fragte, ob es bei mir auch immer so tun müsste, als wenn es zuhörte.
In der U-Bahn sind nur zwei Plätze frei. Setze mich auf einen und rufe:
„Wer will auf meinem Schoss sitzen?“ Überraschenderweise wollen alle auf meinem Schoss sitzen und schaffen das sogar irgendwie. Kann dadurch zwar von Bayrischer Platz bis Rathaus Spandau nicht atmen, aber wegen der nach kurzer Zeit einsetzenden Bewusstlosigkeit, vergeht wenigstens die lange U-Bahn-Fahrt wie im Fluge. Erinnere mich an England, wo sich die Pendler zwischen Brighton und London früher angeblich auch jeden Morgen absichtlich bewusstlos geschlagen haben, damit die lange Zugfahrt schneller rumgeht.
Auf dem Weihnachtsmarkt fragt mich Rieke sofort, ob sie Lose ziehen darf. Da jedem Kind zwei Buden erlaubt sind und mein Hirn noch von der U-Bahnfahrt sauerstoffunterversorgt ist, sage ich: „Wuff.“ Rieke versteht das als ja. Als die Erzieherin das mitbekommt, schreit sie mich an: „Du hast Rieke erlaubt Lose zu ziehen?
-Wuff?
-Weil Rieke immer Glück hat!
-Wuff?
Rieke kommt mit einem ca. 1 Meter 60 hohen, riesigen, rosa Plüschhasen und strahlt.
„Den hab ich gewonnen.“
Die Erzieherin schnauft: „Na Bravo. Den trägst jetzt aber schön Du.“
Antworte: „Wuff.“
Aber immerhin haben wir jetzt doch noch wieder jemand Drittes dabei.
Die Erzieherin verlangt: „Wir sollen uns anständig auf dem Weihnachtsmarkt benehmen, nicht zu auffällig.“ Den Kindern gelingt das erstaunlich gut. Mir weniger. Ich weiß nicht, wer schonmal versucht hat, unauffällig zu sein, während er einen 1 Meter 60 großen rosa Plüschhasen über den Spandauer Weihnachtsmarkt trägt. Nicht einfach das. Jeder Zweite spricht mich an. Vor allem Frauen.
Verblüffend. Also ich will mal so sagen: Wer jetzt im Winter allein ist und eine Beziehung sucht… Vergesst Bekanntschaftsanzeigen oder Singlebörsen. Wenn Du nett guckst und einen riesigen, rosa Plüschhasen an einem weihnachtsfeierträchtigen Donnerstag über den Spandauer Weihnachtsmarkt trägst, dann kannst Du alle haben. Wobei die meisten Frauen gar nicht mich angesprochen haben, sondern den Plüschhasen. Drei haben ihn zu sich nach Hause eingeladen. Eine meinte, der Plüschhase habe sie an den Hintern gefasst, dafür müsste ich jetzt einen Futschi mit ihr trinken. Die meisten jedoch haben den Plüschhasen einfach über mich ausgefragt, in der Richtung, ob sein Herrchen denn ein Netter sei und ein Frauchen habe so weiter. Die Männer hingegen waren weniger charmant und wiesen den Plüschhasen nur darauf hin, er hätte da was komisches am Hintern. Dann wiesen sie lachend auf mich.
Trotzdem verlebte ich einen großartigen, späten Nachmittag und möchte sagen, also auf seine eigene, verquere Art ist der Spandauer Weihnachtsmarkt tatsächlich der Schönste. Von was auch immer. Also wenn man es mag, zum schieren Objekt niederer Begierde zu werden. Ich fand das mal ganz schön. Zumindest solange, bis Rieke beim Entenangeln auch noch ein riesiges, weisses Einhorn gewann. Männer mit rosa Plüschhasen und weissen Einhörnern gelten wohl nicht mehr als sexuell attraktiv. Wusste ich auch noch nicht. Auf der Rückfahrt durften wieder alle einschliesslich Hase und Einhorn auf mir sitzen, wodurch ich zwar später eine Weile erneut nur durch Wuff-Laute kommunizieren konnte, aber die Freundin meinte ihr wäre der Unterschied eigentlich gar nicht aufgefallen.
„Wuff!“

Wäre ich Du, würde ich mich lieben (1-11-2013)

Heute ist es soweit. Das neue Buch erscheint. Es heisst „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“ und erklärt praktisch in 56 eigenständigen Geschichten diesen Titel. Unter anderem. Ich finde, das Buch ist wirklich schön geworden, weshalb ich dem Verlag auch explizit erlaubt habe, es an diversen Stellen zum Verkauf anzubieten.
Natürlich gibt es aber auch eine offizielle Präsentation. Die findet am 5. November im Renaissance-Theater statt und ist leider schon ausverkauft. Dafür wird sie aber wieder live auf Radio eins übertragen. Ab 19.00 Uhr eine Stunde Vorberichterstattung mit Silke Super und mir und von 20.00 bis 21.00 Uhr eine Stunde Live-Lesung aus dem Buch.

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Auch erschienen ist eine Live-CD vom neuen Programm „Hinterher hat mans meist vorher gewusst“. Wie immer bei WortArt. Die ist auch sehr schön geworden.
Man kann aber auch einen Mitschnitt des Programms am 2. November um 15.00 Uhr (bis 17.00 Uhr) bei der Unterhaltung am Nachmittag auf WDR 5 hören. Dort bleibt es dann auch eine Woche in der Mediathek. Aufgenommen hat der WDR die Comedia-Vorstellung in Köln vom 22. Oktober.

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Natürlich werde ich im November auch wieder verstärkt auf Tour sein. Zum Beispiel in Jena, Langenhagen, Bonn, Gelsenkirchen, Bochum oder Wolfsburg. Näheres steht im Tourplan.
Am 19. November wird die nächste Vorleser-Sendung im Pantheon aufgezeichnet. Unter anderem mit Cordula Stratmann.
Die zuletzt aufgezeichneten Vorlesersendungen laufen am 3. und 10. November, jeweils um 20.00Uhr auch auf WDR 5.

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Nebendran ist gibt es übrigens noch eine mittelleicht gekürzte Fassung einer der Geschichten aus dem neuen Buch, die ich nur sehr selten, bis gar nicht vorlese. Die neuen Geschichten, die ich häufig, beispielsweise im aktuellen Programm, vorlese, sind natürlich auch alle im Buch. Ein komplettes Hörbuch wird zusätzlich bald erscheinen, doch dazu mehr, wenn es soweit ist.
Bis dahin einen glücklichen November und allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Letzte Sätze (11-1-2013)

Von einigen berühmten oder auch nicht so berühmten Menschen wird behauptet, man kenne die letzten Worte, die sie vor ihrem Tode gesagt haben. Goethes „Mehr Licht“, Archimedes‘ „Störe meine Kreise nicht!“ oder der schöne, alte Witz über den letzten Satz eines Fluggastes: „Guck mal, ich kann mit meinem Handy, die Landeklappen fernsteuern!“ haben schon viele Menschen zum Nachdenken angeregt.
Humphrie Bogart soll als allerletztes tatsächlich gesagt haben: „Ich hätte nicht von Scotch zu Martini wechseln sollen.“, während Bertold Brecht mit einem sympathischen: „Laßt mich in Ruhe.“ abgetreten ist. Nur so mittelmäßig einfallsreich war wohl Luis Bunuel, der gesagt haben soll: „Ich sterbe.“, womit er natürlich zwar recht hatte, andrerseits aber auch ein bisschen als Klugscheisser das Diesseits verlassen hat.
2011 habe ich sogar bei der Berlinale einen zweieinhalbstündigen ungarischen Film gesehen, der praktisch nur um den letzten Satz von Friedrich Nietzsche ging. Also quasi. 1889 ist Nietzsche in Paris vors Haus gegangen, hat einen Kutscher gesehen, der auf sein Pferd eindrosch, sich schützend vor das Pferd gestellt und ist dann von einer Sekunde auf die andere in eine Art Wachkoma gefallen. 10 Tage später hat der Philosoph wohl noch einmal einen hellen Moment gehabt und seinen berühmten letzten Satz gesagt: „Mutter, ich bin dumm.“ Hernach verbrachte er seine letzten Jahre schweigend in Demenz. Das alles ist bekannt. Der Film geht allerdings der sehr interessanten Frage nach: „Was ist eigentlich mit dem Pferd passiert? Wie ist es dem weiter ergangen?“
Einen solchen Ansatz finde ich immer lobenswert. Auch mal die andere Seite zu betrachten. Also bei Bergsteigerfilmen zum Beispiel nicht nur von den Dramen und Tragödien der abgestürzten Bergsteiger zu erzählen, sondern auch mal zu überlegen, wie sich eigentlich der Berg damit fühlt, wenn da ständig Menschen von ihm runterfallen…
…meine Freundin zumindest beherrscht diesen etwas weiteren Blick. Kürzlich, als ich wegen einer mittleren Fischvergiftung schwer leidend über der Kloschlüssel hing, hat sie tatsächlich nur gesagt: „Oje, der arme Fisch.“
Im Berlinalefilm passiert dann übrigens zweieinhalb Stunden lang quasi nichts. Klingt seltsam, ist aber großes Kino und gibt mal einen schönen Eindruck über die Gedankenwelt von Pferden…
…in jedem Falle habe ich mir jetzt auch einen letzten Satz für mich überlegt. Dieser Satz ist hervorragend: Philosophisch, humorvoll und absolut geeignet mich für immer als aber ganz schön intelligent, selbst und gerade im Sterben in Erinnerung zu halten.
Mein Problem ist nur: Wie kann ich sicher sein, dass ich ihn auch kurz vor meinem Tod sage. Ich meine, in solchen Situationen, also wenn man gerade stirbt, ist man doch oft mit seinen Gedanken ganz woanders. Werde ich mich da an meinen letzten Satz erinnern? Was, wenn ich sozusagen meinen Text vergesse? Wäre ja nicht das erste Mal.
Zudem gibt es das Problem, daß ich den Satz natürlich nicht schon vorher sagen darf. Dann wäre es ja eben nicht mehr mein letzter Satz. Meine unsterblichen, großen, finalen Worte.
Der naheliegendste Gedanke erscheint mir deshalb, das Sterben einfach einmal vorher zu proben. Komplett mit Regie, anderen Schauspielern und Textbuch. Ist aber auch irgendwie schwierig, weil den Satz darf ich ja trotzdem nicht sagen. Außerdem wird es wahrscheinlich schwer den Schauspielern und dem Regisseur zu erklären, was wir da eigentlich proben. Also zumindest ohne hinterher als recht verschroben zu gelten.
Ich habe noch keine Ahnung, wie ich dieses Problem lösen soll. Womöglich geht es mir am Ende so wie Pancho Villa, dem mexikanischen Freiheitskämpfer. Der soll als letzten Satz zu einem Journalisten gesagt haben: „Oh je, das geht zu schnell, bitte schreiben Sie, dass ich etwas gesagt hätte.“
Wobei man, meiner Meinung nach, nun sehr darüber streiten kann, ob ihm dieser Journalist mit dieser Überlieferung jetzt seinen letzten Wunsch erfüllt hat oder doch eher gerade eben nicht.

Der Frühschoppen wird 23 (15-10-2013)

Es war ein kühler, düsterer Sonntag im Herbst des Jahres 1990 als einige seltsame Herren die behauptete Bühne im Keller eines besetzen Hauses in der Berliner Brunnenstrasse betraten und erstmals wildfremden Menschen öffentlich ihre Geschichten vorlasen…
Was aus der Brunnenstrasse 7 oder dem Wetter mit seinem ständigen Wandel geworden ist, darüber streiten heute die Stadthistoriker und Klimaforscher. Unstrittig jedoch ist, daß die seltsamen Herren in nur leicht veränderter Besetzung, dafür jedoch schon seit vielen, vielen Jahren verstärkt durch eine nicht minder wundersame Frau jeden Sonntag um 13.00Uhr eine Bühne betreten und ihre Geschichten vortragen. Warum sie allerdings in dieser langen Zeit nicht einen Tag gealtert sind und aber noch ganz genau so gut und knackig aussehen wie vor 23 Jahren, ist nur eines der vielen Mysterien, welche diese Vorleser umranken. Ob dieses und andere Rätsel bei den beiden spektakulären Geburtstagsabenden am Samstag, den 19. Oktober um 20.00Uhr und Sonntag, den 20. Oktober um 18.00 Uhr, jeweils im Schlot, gelöst werden, soll hier nicht verraten werden. Aber auf zwei glamouröse Geburtstagsabende mit allerfeinsten Gästen darf man sich getrost einrichten.
Näheres und Karten bei: http://www.der-fruehschoppen.de/

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Zuvor und hinterher werde ich aber auch noch Solo unterwegs sein. In Eberswalde und Rüdersdorf bin ich zum ersten Mal, in Neuruppin war ich bereits vor anderthalb Jahren und das war wirklich schön gewesen. Deshalb fahre ich da ja auch glatt nochmal hin.

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Direkt nach dem Frühschoppengeburtstag fahre ich nach Köln, wo ich in der Comedia am Montag bei den WDR-Vorlesern beeindruckende Gäste begrüßen darf. Timur Vermes und Lutz von Rosenberg-Lipinsky haben Premiere bei den Vorlesern, Kirsten Fuchs und Hans Zippert geben sich zu meiner großen Freude nun schon zum wiederholten Male die Ehre.
Wo ich dann schonmal im Rheinland bin, spiele ich die nächsten beiden Abende in Köln und Bonn auch noch gleich mein Programm: „Hinterher hat man‘s meist vorher gewusst“.
Es sei an dieser Stelle auch nochmal erwähnt, daß dies das nun quasi fertige Programm ist, für welches ich im Februar in Köln, Mainz und im Berliner Mehringhof unter dem Titel „Aktuelle Geschichten“ getestet habe.

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Ziemlich aufgeregt bin ich natürlich wegen des nun sehr bald anstehenden Erscheinungstermin meines neuen Buches. Es heisst „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“, handelt im Prinzip genau davon und erscheint am 1. November. Doch dazu mehr, kurz vorher.
Bis dahin kann man sich die zeit vertreiben mit einer Geschichte nebendran, zum, aus meiner Sicht, Fernsehereignis des Jahres

allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Horsta Concordia (15-10-2013)

Dienstagnacht. Liege auf dem Sofa und schaue im Fernsehn der Bergung der Costa Concordia zu. Das zieht sich.
Bin völlig kaputt. Sollte eigentlich längst ins Bett gegangen sein, aber schaffe es einfach nicht aufzustehn. Zu müde zum ins Bett gehen. Boarhh, bin ich kaputt. Schaue wieder zur Costa Concordia. So aus dieser Perspektive, also von der Seite her im Liegen betrachtet, sehen wir uns erschütternd ähnlich. Wer uns beiden wohl als Erstes wieder aufgerichtet ist? Das könnte ein ganz enges Rennen werden.
Wobei, ein fairer Wettbewerb ist das nicht. Die Costa Concordia hat schliesslich ein Riesenteam von Ingenieuren, Mathematikern und anderen Spezialisten. Seit über einem Jahr machen die nichts anderes als das Drehen des Schiffes vorzubereiten. Alles ist berechnet, nichts dem Zufall überlassen. Man hat nur eine Chance!
Ich dagegen… habe mir alles selbst beigebracht, bin ein Aufstehautodidakt, der ohne Spezialisten und wissenschaftliche Berechnungen, das sich Hochhieven irgendwie improvisieren muss. Dabei habe auch ich nur eine Chance. Wenn ich quasi nur halbaufgerichtet aufs Sofa zurückfalle, werde ich wahrscheinlich sofort einschlafen. Mit praktisch unfkalkulierbaren Folgen, ja Gefahren für das gesamte Umfeld, den nächsten Tag und meinen Rücken. Im Falle einer Sofa-Havarie der Horsta Eversoria ist das gesamte Ökosystem Fernsehcouch bedroht. Nachhaltig.
Ein Jahr Vorbereitung zur Aufrichtung der Costa Concordia und ich versuche das gerade mal seit ein oder zwei Stunden.
Es gibt ja Leute, die behaupten, der ganze Aufwand, der bei sowas, wie der Bergung der Costa Concordia mittlerweile betrieben wird, sei völlig übertrieben. Ich kenne einen Hobbybauern aus Brandenburg, der meint: „Vor 60 Jahren, also in den 50ern, hätte man einfach zu den umliegenden Altmetallhändlern gesagt: Nehmt Euch, was Ihr brauchen könnt und nach zwei, drei Wochen wäre das ganze Wrack weggewesen.“
Gut, rein umwelttechnisch wäre das zwar wahrscheinlich ne ziemlich Sauerei geworden, aber andrerseits war die Umwelt in den 50er Jahren ja quasi noch gar nicht erfunden.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn zwischen Hannover und Berlin ist seit vier Monaten gesperrt. Weil das Hochwasser zuviel Schotter aus dem Gleisbett gespült hat. Verstehe nicht, warum es so kompliziert ist, Schotter aufzufüllen. Ein Sprecher der Bahn meinte neulich, „Die Sache sei sehr, sehr viel verzwickter als sie klinge.“
Das glaube ich sofort, weil klingt ja erstmal…egal.
Dann meinte er aber auch: „Man müsse und wolle auch die natürlichen Kreisläufe berücksichtigen.“ Das hat mich beunruhigt. Natürliche Kreisläufe? Heisst das womöglich, die warten jetzt bis zum nächsten Hochwasser? In der Hoffnung, daß dann zufällig angespülter Schotter aus Tschechien oder so, die Gleisbetten von selbst wieder auffüllt?
Die Costa Concordia hat mittlerweile wieder 12 Zentimeter geschafft. Ich dagegen stagniere. Gut, da ich mir keine externen Ingenieure für mein Aufstehen leisten kann, muß ich einen anderen Plan entwickeln. Italiener und Engländer machen es mit Technik und Milliarden Bergungskosten, aber hier auf dem Sofa liegt ja quasi Deutschland, also das Land der Ideen. das bin ich, also eben quasi.
Greife mir die mittlerweile zimmerwarme Halbliterflasche Bier und stürze sie zügig runter. Das sollte dafür sorgen, daß ich in Kürze sehr dringend auf Toilette muß, was ja als Aufstehmotivation praktisch unübertroffen ist.
Eine halbe Stunde später ist es soweit. Wuchte mich hoch und schleppe mich zur Toilette. Ha, durch Genie und entschlossenes Handeln konnte ich eine Katastrophe, also das Einschlafen auf dem Sofa verhindern. Leistung hat sich doch mal wieder gelohnt. Bin stolz. Schlafe dann 5 Minuten später auf der Toilette ein. Naja.

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