Willkommen auf den neuen Heimseiten von Horst Evers

Vieles ist schon schön geworden. Manches braucht noch ein bisschen, aber alles ist in Behandlung. Es gibt Informationen über die Programme, die Veranstaltungen, Bücher, CDs und über Horst Evers selbst.
An jedem Dienstag erscheint ein neuer Text oder zumindest Textschnipsel im Blog. Andere Neuigkeiten, wichtige Mitteilungen oder Kommentare zum Weltgeschehen kommen natürlich auch mal zwischendrin.

Natürlich kann jeder Kommentare und Grüße, Beschwerden und Lob, Lehrreiches und Verwirrendes auf der Seite hinterlassen. Um jedoch unnützem Spam den Zugang zu verweigern, werden alle Beiträge zunächst von einer internationalen, konfessionsübergreifenden und fachkundigen Jury geprüft, ehe sie freigeschaltet werden. Dies kann auch schonmal ein wenig dauern. Das ist zwar ein wenig schade, aber notwendig, um sexistische, rechtsradikale oder kapitalistische Inhalte von den Seiten fernzuhalten. Also zumindest von sexistischen, rechtsradikalen oder kapitalistischen Inhalten, die von außen kommen.

Bis bald,
Horst

Wäre ich Du, würde ich mich lieben (1-11-2013)

Heute ist es soweit. Das neue Buch erscheint. Es heisst „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“ und erklärt praktisch in 56 eigenständigen Geschichten diesen Titel. Unter anderem. Ich finde, das Buch ist wirklich schön geworden, weshalb ich dem Verlag auch explizit erlaubt habe, es an diversen Stellen zum Verkauf anzubieten.
Natürlich gibt es aber auch eine offizielle Präsentation. Die findet am 5. November im Renaissance-Theater statt und ist leider schon ausverkauft. Dafür wird sie aber wieder live auf Radio eins übertragen. Ab 19.00 Uhr eine Stunde Vorberichterstattung mit Silke Super und mir und von 20.00 bis 21.00 Uhr eine Stunde Live-Lesung aus dem Buch.

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Auch erschienen ist eine Live-CD vom neuen Programm „Hinterher hat mans meist vorher gewusst“. Wie immer bei WortArt. Die ist auch sehr schön geworden.
Man kann aber auch einen Mitschnitt des Programms am 2. November um 15.00 Uhr (bis 17.00 Uhr) bei der Unterhaltung am Nachmittag auf WDR 5 hören. Dort bleibt es dann auch eine Woche in der Mediathek. Aufgenommen hat der WDR die Comedia-Vorstellung in Köln vom 22. Oktober.

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Natürlich werde ich im November auch wieder verstärkt auf Tour sein. Zum Beispiel in Jena, Langenhagen, Bonn, Gelsenkirchen, Bochum oder Wolfsburg. Näheres steht im Tourplan.
Am 19. November wird die nächste Vorleser-Sendung im Pantheon aufgezeichnet. Unter anderem mit Cordula Stratmann.
Die zuletzt aufgezeichneten Vorlesersendungen laufen am 3. und 10. November, jeweils um 20.00Uhr auch auf WDR 5.

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Nebendran ist gibt es übrigens noch eine mittelleicht gekürzte Fassung einer der Geschichten aus dem neuen Buch, die ich nur sehr selten, bis gar nicht vorlese. Die neuen Geschichten, die ich häufig, beispielsweise im aktuellen Programm, vorlese, sind natürlich auch alle im Buch. Ein komplettes Hörbuch wird zusätzlich bald erscheinen, doch dazu mehr, wenn es soweit ist.
Bis dahin einen glücklichen November und allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Letzte Sätze (11-1-2013)

Von einigen berühmten oder auch nicht so berühmten Menschen wird behauptet, man kenne die letzten Worte, die sie vor ihrem Tode gesagt haben. Goethes „Mehr Licht“, Archimedes‘ „Störe meine Kreise nicht!“ oder der schöne, alte Witz über den letzten Satz eines Fluggastes: „Guck mal, ich kann mit meinem Handy, die Landeklappen fernsteuern!“ haben schon viele Menschen zum Nachdenken angeregt.
Humphrie Bogart soll als allerletztes tatsächlich gesagt haben: „Ich hätte nicht von Scotch zu Martini wechseln sollen.“, während Bertold Brecht mit einem sympathischen: „Laßt mich in Ruhe.“ abgetreten ist. Nur so mittelmäßig einfallsreich war wohl Luis Bunuel, der gesagt haben soll: „Ich sterbe.“, womit er natürlich zwar recht hatte, andrerseits aber auch ein bisschen als Klugscheisser das Diesseits verlassen hat.
2011 habe ich sogar bei der Berlinale einen zweieinhalbstündigen ungarischen Film gesehen, der praktisch nur um den letzten Satz von Friedrich Nietzsche ging. Also quasi. 1889 ist Nietzsche in Paris vors Haus gegangen, hat einen Kutscher gesehen, der auf sein Pferd eindrosch, sich schützend vor das Pferd gestellt und ist dann von einer Sekunde auf die andere in eine Art Wachkoma gefallen. 10 Tage später hat der Philosoph wohl noch einmal einen hellen Moment gehabt und seinen berühmten letzten Satz gesagt: „Mutter, ich bin dumm.“ Hernach verbrachte er seine letzten Jahre schweigend in Demenz. Das alles ist bekannt. Der Film geht allerdings der sehr interessanten Frage nach: „Was ist eigentlich mit dem Pferd passiert? Wie ist es dem weiter ergangen?“
Einen solchen Ansatz finde ich immer lobenswert. Auch mal die andere Seite zu betrachten. Also bei Bergsteigerfilmen zum Beispiel nicht nur von den Dramen und Tragödien der abgestürzten Bergsteiger zu erzählen, sondern auch mal zu überlegen, wie sich eigentlich der Berg damit fühlt, wenn da ständig Menschen von ihm runterfallen…
…meine Freundin zumindest beherrscht diesen etwas weiteren Blick. Kürzlich, als ich wegen einer mittleren Fischvergiftung schwer leidend über der Kloschlüssel hing, hat sie tatsächlich nur gesagt: „Oje, der arme Fisch.“
Im Berlinalefilm passiert dann übrigens zweieinhalb Stunden lang quasi nichts. Klingt seltsam, ist aber großes Kino und gibt mal einen schönen Eindruck über die Gedankenwelt von Pferden…
…in jedem Falle habe ich mir jetzt auch einen letzten Satz für mich überlegt. Dieser Satz ist hervorragend: Philosophisch, humorvoll und absolut geeignet mich für immer als aber ganz schön intelligent, selbst und gerade im Sterben in Erinnerung zu halten.
Mein Problem ist nur: Wie kann ich sicher sein, dass ich ihn auch kurz vor meinem Tod sage. Ich meine, in solchen Situationen, also wenn man gerade stirbt, ist man doch oft mit seinen Gedanken ganz woanders. Werde ich mich da an meinen letzten Satz erinnern? Was, wenn ich sozusagen meinen Text vergesse? Wäre ja nicht das erste Mal.
Zudem gibt es das Problem, daß ich den Satz natürlich nicht schon vorher sagen darf. Dann wäre es ja eben nicht mehr mein letzter Satz. Meine unsterblichen, großen, finalen Worte.
Der naheliegendste Gedanke erscheint mir deshalb, das Sterben einfach einmal vorher zu proben. Komplett mit Regie, anderen Schauspielern und Textbuch. Ist aber auch irgendwie schwierig, weil den Satz darf ich ja trotzdem nicht sagen. Außerdem wird es wahrscheinlich schwer den Schauspielern und dem Regisseur zu erklären, was wir da eigentlich proben. Also zumindest ohne hinterher als recht verschroben zu gelten.
Ich habe noch keine Ahnung, wie ich dieses Problem lösen soll. Womöglich geht es mir am Ende so wie Pancho Villa, dem mexikanischen Freiheitskämpfer. Der soll als letzten Satz zu einem Journalisten gesagt haben: „Oh je, das geht zu schnell, bitte schreiben Sie, dass ich etwas gesagt hätte.“
Wobei man, meiner Meinung nach, nun sehr darüber streiten kann, ob ihm dieser Journalist mit dieser Überlieferung jetzt seinen letzten Wunsch erfüllt hat oder doch eher gerade eben nicht.

Der Frühschoppen wird 23 (15-10-2013)

Es war ein kühler, düsterer Sonntag im Herbst des Jahres 1990 als einige seltsame Herren die behauptete Bühne im Keller eines besetzen Hauses in der Berliner Brunnenstrasse betraten und erstmals wildfremden Menschen öffentlich ihre Geschichten vorlasen…
Was aus der Brunnenstrasse 7 oder dem Wetter mit seinem ständigen Wandel geworden ist, darüber streiten heute die Stadthistoriker und Klimaforscher. Unstrittig jedoch ist, daß die seltsamen Herren in nur leicht veränderter Besetzung, dafür jedoch schon seit vielen, vielen Jahren verstärkt durch eine nicht minder wundersame Frau jeden Sonntag um 13.00Uhr eine Bühne betreten und ihre Geschichten vortragen. Warum sie allerdings in dieser langen Zeit nicht einen Tag gealtert sind und aber noch ganz genau so gut und knackig aussehen wie vor 23 Jahren, ist nur eines der vielen Mysterien, welche diese Vorleser umranken. Ob dieses und andere Rätsel bei den beiden spektakulären Geburtstagsabenden am Samstag, den 19. Oktober um 20.00Uhr und Sonntag, den 20. Oktober um 18.00 Uhr, jeweils im Schlot, gelöst werden, soll hier nicht verraten werden. Aber auf zwei glamouröse Geburtstagsabende mit allerfeinsten Gästen darf man sich getrost einrichten.
Näheres und Karten bei: http://www.der-fruehschoppen.de/

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Zuvor und hinterher werde ich aber auch noch Solo unterwegs sein. In Eberswalde und Rüdersdorf bin ich zum ersten Mal, in Neuruppin war ich bereits vor anderthalb Jahren und das war wirklich schön gewesen. Deshalb fahre ich da ja auch glatt nochmal hin.

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Direkt nach dem Frühschoppengeburtstag fahre ich nach Köln, wo ich in der Comedia am Montag bei den WDR-Vorlesern beeindruckende Gäste begrüßen darf. Timur Vermes und Lutz von Rosenberg-Lipinsky haben Premiere bei den Vorlesern, Kirsten Fuchs und Hans Zippert geben sich zu meiner großen Freude nun schon zum wiederholten Male die Ehre.
Wo ich dann schonmal im Rheinland bin, spiele ich die nächsten beiden Abende in Köln und Bonn auch noch gleich mein Programm: „Hinterher hat man‘s meist vorher gewusst“.
Es sei an dieser Stelle auch nochmal erwähnt, daß dies das nun quasi fertige Programm ist, für welches ich im Februar in Köln, Mainz und im Berliner Mehringhof unter dem Titel „Aktuelle Geschichten“ getestet habe.

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Ziemlich aufgeregt bin ich natürlich wegen des nun sehr bald anstehenden Erscheinungstermin meines neuen Buches. Es heisst „Wäre ich Du, würde ich mich lieben“, handelt im Prinzip genau davon und erscheint am 1. November. Doch dazu mehr, kurz vorher.
Bis dahin kann man sich die zeit vertreiben mit einer Geschichte nebendran, zum, aus meiner Sicht, Fernsehereignis des Jahres

allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Horsta Concordia (15-10-2013)

Dienstagnacht. Liege auf dem Sofa und schaue im Fernsehn der Bergung der Costa Concordia zu. Das zieht sich.
Bin völlig kaputt. Sollte eigentlich längst ins Bett gegangen sein, aber schaffe es einfach nicht aufzustehn. Zu müde zum ins Bett gehen. Boarhh, bin ich kaputt. Schaue wieder zur Costa Concordia. So aus dieser Perspektive, also von der Seite her im Liegen betrachtet, sehen wir uns erschütternd ähnlich. Wer uns beiden wohl als Erstes wieder aufgerichtet ist? Das könnte ein ganz enges Rennen werden.
Wobei, ein fairer Wettbewerb ist das nicht. Die Costa Concordia hat schliesslich ein Riesenteam von Ingenieuren, Mathematikern und anderen Spezialisten. Seit über einem Jahr machen die nichts anderes als das Drehen des Schiffes vorzubereiten. Alles ist berechnet, nichts dem Zufall überlassen. Man hat nur eine Chance!
Ich dagegen… habe mir alles selbst beigebracht, bin ein Aufstehautodidakt, der ohne Spezialisten und wissenschaftliche Berechnungen, das sich Hochhieven irgendwie improvisieren muss. Dabei habe auch ich nur eine Chance. Wenn ich quasi nur halbaufgerichtet aufs Sofa zurückfalle, werde ich wahrscheinlich sofort einschlafen. Mit praktisch unfkalkulierbaren Folgen, ja Gefahren für das gesamte Umfeld, den nächsten Tag und meinen Rücken. Im Falle einer Sofa-Havarie der Horsta Eversoria ist das gesamte Ökosystem Fernsehcouch bedroht. Nachhaltig.
Ein Jahr Vorbereitung zur Aufrichtung der Costa Concordia und ich versuche das gerade mal seit ein oder zwei Stunden.
Es gibt ja Leute, die behaupten, der ganze Aufwand, der bei sowas, wie der Bergung der Costa Concordia mittlerweile betrieben wird, sei völlig übertrieben. Ich kenne einen Hobbybauern aus Brandenburg, der meint: „Vor 60 Jahren, also in den 50ern, hätte man einfach zu den umliegenden Altmetallhändlern gesagt: Nehmt Euch, was Ihr brauchen könnt und nach zwei, drei Wochen wäre das ganze Wrack weggewesen.“
Gut, rein umwelttechnisch wäre das zwar wahrscheinlich ne ziemlich Sauerei geworden, aber andrerseits war die Umwelt in den 50er Jahren ja quasi noch gar nicht erfunden.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn zwischen Hannover und Berlin ist seit vier Monaten gesperrt. Weil das Hochwasser zuviel Schotter aus dem Gleisbett gespült hat. Verstehe nicht, warum es so kompliziert ist, Schotter aufzufüllen. Ein Sprecher der Bahn meinte neulich, „Die Sache sei sehr, sehr viel verzwickter als sie klinge.“
Das glaube ich sofort, weil klingt ja erstmal…egal.
Dann meinte er aber auch: „Man müsse und wolle auch die natürlichen Kreisläufe berücksichtigen.“ Das hat mich beunruhigt. Natürliche Kreisläufe? Heisst das womöglich, die warten jetzt bis zum nächsten Hochwasser? In der Hoffnung, daß dann zufällig angespülter Schotter aus Tschechien oder so, die Gleisbetten von selbst wieder auffüllt?
Die Costa Concordia hat mittlerweile wieder 12 Zentimeter geschafft. Ich dagegen stagniere. Gut, da ich mir keine externen Ingenieure für mein Aufstehen leisten kann, muß ich einen anderen Plan entwickeln. Italiener und Engländer machen es mit Technik und Milliarden Bergungskosten, aber hier auf dem Sofa liegt ja quasi Deutschland, also das Land der Ideen. das bin ich, also eben quasi.
Greife mir die mittlerweile zimmerwarme Halbliterflasche Bier und stürze sie zügig runter. Das sollte dafür sorgen, daß ich in Kürze sehr dringend auf Toilette muß, was ja als Aufstehmotivation praktisch unübertroffen ist.
Eine halbe Stunde später ist es soweit. Wuchte mich hoch und schleppe mich zur Toilette. Ha, durch Genie und entschlossenes Handeln konnte ich eine Katastrophe, also das Einschlafen auf dem Sofa verhindern. Leistung hat sich doch mal wieder gelohnt. Bin stolz. Schlafe dann 5 Minuten später auf der Toilette ein. Naja.

Es wird wieder vorgelesen (13. 8. 2013)

Seltsame Dinge gehen vor in der Welt. Hertha BSC ist Tabellenführer. Fraglos ein erster Schritt zum „Championsleague-Finale daheim“ im Mai 2015. Dennoch sollte man auf dem Teppich bleiben. Jetzt schon davon zu sprechen, dieses Finale unbedingt gewinnen zu müssen, wäre meiner Ansicht nach vermessen.
Zudem hat mich die NSA angemahnt, wenn ich nicht bald mal wieder was ins Internet schreiben würde, wären sie gezwungen Personal einzusparen und die hätten doch alle Familie und so…, ob ich Ihnen nicht schnell ein bißchen was zum Überwachen ins Netz stellen könnte… Wer kann da schon nein sagen?
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Also, nach fast 5 Monaten ohne Vorlesetermine, nehme ich heute, am 13. August wieder meinen Betrieb auf. Fast schon traditionell beginne ich nach der Sommerpause im Kulturkaten in Prerow, um dann am Mittwoch noch in Klausdorf (bei Stralsund) aufzutreten.
In Berlin starte ich am Montag, den 19. August in den Wühlmäusen. Die Woche dort, ist leider genauso wie die drei Wochen im Mehringhof im September bereits komplett ausverkauft. Allerdings gibt es oft am Veranstaltungsabend oder 1-2 Tage vorher noch Restkarten. Ein Versuch lohnt da häufig.

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Besonders hinweisen möchte ich auf den 28. August. Dort bin ich im Heimathafen Neukölln für BürgerEnergie Berlin im Einsatz. Gut eine Stunde werde ich lesen, dann sprechen wir noch schnell darüber, wie man das Berliner Stromnetz kaufen, bzw. rekommunalisieren kann. Der Eintritt ist frei.
Tags drauf am 29. 8. besuche ich Andreas Scheffler in Groß Köris und werde bei der Gelegenheit auch gleich den ganzen Abend lang vorlesen. Der Besuch ist öffentlich und beginnt um 19.30 Uhr.
Am ersten Septembersonntag melden wir uns dann auch mit dem Frühschoppen im Schlot zurück.

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In meiner Pause habe ich immerhin das Hörbuch vom „König von Berlin“ aufgenommen (schon erschienen) und mein neues Buch (erscheint im November) fertiggeschrieben. Doch dazu mehr demnächst von hier
bis dahin allen viel Gutes
Horst Evers

Aschenputtel de Luxe (13. 8. 2013)

Schuhmacher, die heute noch richtig edle, elegante, perfekt sitzende, angenehme Massschuhe aus feinsten Materialien anfertigen, stellen praktisch immer nur Herrenschuhe her. Ich finde das seltsam. Immerhin investieren Frauen nachweislich ungeheuer viel Energie, Geld, Herzblut und vor allem Lebenszeit, (sowohl eigene, als auch die von anderen), in die ewige Suche nach dem perfekten Schuh. Dennoch kommt offensichtlich so ziemlich keine von ihnen auf die Idee, einfach mal zum Schuster zu gehen und sich ihren Traumschuh schlicht massanfertigen zu lassen.
Zudem gibt es unter den klassischen Schuhmachern auch nur ganz, ganz wenige Frauen. Wenn Frauen in dieses Gewerbe der Lederverarbeitung gehen, machen sie praktisch immer Schmuck, Taschen oder Accessoires. Schuhe so gut wie nie.
Nachdem ich meiner guten Freundin Julia vor kurzem diese Beobachtung schilderte, zuckte sie nur mit den Schultern. Sie fände das logisch. Sie würde sich selbst auch auf gar keinen Fall als Kundin für Massschuhe haben wollen. Denn, so erklärte sie mir, Frauen hätten zwar eine ganz genaue, exakte Vorstellung von ihrem Traumschuh. Könnten diese aber auf keinen Fall beschreiben , zeichnen oder auch nur skizzieren.
Das stelle ich mir kompliziert vor. Die Frauen haben also eine gewaltige, machtvolle, tief innewohnende Sehnsucht. Was genau diese Sehnsucht allerdings ist, wird vor ihnen geheimgehalten. Trotzdem sind sie dazu verdammt, nach der Erfüllung, also dem Traumschuh zu suchen. Wahrlich kein weiches Brot.
Immer wieder gäbe es Momente der Hoffnung, meinte Julia weiter, aber dann zeige sich doch stets, daß auch die nächste Schuhhoffnung wieder an verschiedenen Stellen drückt. Letztlich sei dies vergleichbar mit der Suche nach Männern. Wo man auch immer wieder hofft, etwas passendes gefunden zu haben, aber die richtig schlimmen Stellen, wo es drückt, erst merke, wenn man mal eine längere Strecke mit ihnen gelaufen ist. Im übertragenem Sinne.
Manche suchen daher ein Leben lang. Andere hoffen, daß der Mann sich durch längeres Tragen irgendwie einläuft. Und wieder andere suchen sich einfach letzten Endes jemanden, wo sie an den Stellen, wo es besonders schlimm drückt, bereits eine gewisse Hornhaut entwickelt haben.
Aber die Sehnsucht bleibe. Immer, quasi unstillbar. In der Schuhpsychologie spricht man daher vom sogenannten Aschenputtelsyndrom. Der ewigen Suche nach dem Prinzen, der auch noch den richtigen Schuh für einen habe. Einen solchen Prinzen gibt es aber natürlich nur im Märchen. Diese traurige Wahrheit zu realisieren sei für Frauen die schwierigste emotionale Prüfung zwischen Pubertät und Wechseljahren.
Julia ist daher ohnehin der Meinung, es gäbe eigentlich nur zwei Sorten Frauen auf dieser Welt. Die mit dem richtigen Schuh und die mit dem richtigen Mann. Beides geht nicht. Maximal gäbe es Graubrereiche. Oder auch Verhandlungsmasse zwischen Schuh und Mann.
Im weiteren bedeutet dies aber laut Julia auch: Eine Frau, die die Hoffnung einen besseren Schuh zu finden, irgendwann aus welchen Gründen auch immer aufgibt, wird sich dann als Trost oder als Übersprungshandlung zumindest einen besseren Mann suchen. Mit anderen Worten, in dem Moment, wo eine Frau in völlig normalen Tempo, ohne gewichtigen Grund an mehreren Schuhgeschäften interesse- und achtlos vorbeiläuft, ja nicht einmal in die Schaufenster schaut, da wird es definitiv Herbst in der Beziehung. Da ist höchste Vorsicht geboten! Deshalb, so beschloss Julia mit charmantem Lächeln ihre Ausführungen, ist der Schuhkauf bei Frauen auch immer so etwas wie ein Treuebekenntnis, eine Art Liebeserklärung an den Mann.
Ich weiß nicht, wie vielen Männern Julia diese ihre Schuhlogik schon erklärt hat. In jedem Falle hat sie wirklich sehr viele, sehr schöne Schuhe.

Vorschau auf den Rückblick (21. 11. 2012)

Die Woche zwischen Volkstrauertag und Totensonntag ist traditionell die letzte Chance etwas Spektakuläreres zu veranstalten, wenn man es noch in die offiziellen Jahresrückblicke schaffen will. Jetzt also schnell, egal wie das Wetter ist. Spätestens Montagmittag ist fast überall Redaktionsschluss.
Nicht allerdings bei uns, unser Jahresrückblick beginnt erst am 11. Dezember und selbst wenn noch später etwas wirklich Wichtiges passieren sollte, wie beispielsweise der von den Mayas angekündigte Weltuntergang am 21sten, könnten und würden wir das natürlich noch einbauen, da unsere Bühnenshow ja anders als beispielsweise die Jahresrückblickshefte, jeden Tag live sein wird. Beeilen muss man sich aber trotzdem, zumindest wenn man noch Karten für eine der Vorstellungen in diesem Jahr haben möchte, da gibt es nur noch sehr wenige, für aktuell noch 4 der 23 Dezembervorstellungen. Bei den Vorstellungen im Januar ist es noch etwas entspannter, aber wohl auch nicht mehr lange.
Unsere Planungen laufen natürlich längst auf Hochtouren, was bedeutet, wir haben schon einen Termin für ein Treffen gemacht.

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Mein erster Roman „Der König von Berlin“ hat es erfreulicherweise auf die Shortlist des Leserpreises von“Lovely Books“ geschafft. Jetzt zählen dort nur noch die Stimmen der Leserinnen und Leser. Hier kann man für einen der nominierten Romane abstimmen.

http://www.lovelybooks.de/leserpreis/2012/

Ich würde mich natürlich freuen, wenn viele für den König stimmen. Ist ja irgendwie klar. Muss aber jeder für sich entscheiden. Logisch.

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Vor dem Jahresrückblick darf ich noch ein wenig durchs Land fahren. Das finde ich sehr erfreulich. Heute Abend (falls ich den Text bis dahin fertig und online kriege, sonst wars gestern), trete ich zum ersten Mal in Mannheim auf, dann gehts endlich mal wieder nach Freiburg ins Vorderhaus, dann Bietigheim-Bissingen und Würzburg.
Nächste Woche endet die diesjährige Tour mit Frankfurt an der Oder, Görlitz, Magdeburg und zum Abschluss spiele ich in den Wühlmäusen in Berlin. Dann proben wir noch eine Woche, bevor wir uns fast 6 Wochen lang quasi ausschliesslich dem Jahresrückblick hingeben.

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Gerade erschienen ist übrigens noch ein von mir selbst eingelesenes Hörbuch zu „Für Eile fehlt mir die Zeit“, am 6. Dezember wird höchstwahrscheinlich auch die DVD vom „Großen Bahnhof“ erscheinen. Doch dazu mehr an Nikolaus.

bis dahin allen viel Gutes wünscht
Horst Evers

Wer ist schuld? (21. 11. 2012)

Der Hausmeister meiner früheren Grundschule schreibt mir, meine alte Grundschule werde entkernt und zu einem Fitnessstudio, auch mit Rückenschule umgebaut. Ich will jetzt gar nicht darüber lamentieren, was es für die Bevölkerungsstruktur in ländlichen Gebieten bedeutet, wenn dort jetzt aus den Grundschulen, Rückenschulen werden, ich will es nur bemerkt haben.
Auf alle Fälle hat der Hausmeister jetzt tatsächlich soviele Mailadressen wie möglich von ehemaligen Schülern ausgegraben, um diesen zu schreiben, er würde jede Menge Gegenstände aus ihrer alten Grundschule bei ebay versteigern.
Und da war sie dann. Meine alte Schultafel. Die alte Grundschulschultafel aus Raum 24, unserem Klassenzimmer. Die Tafel, wo Herr Gühlke immer oben links die Zuspätkommer aufgeschrieben hat. Und später auch die, die sonst noch Unfug veranstaltet hatten. Wo man den ganzen Schultag lang seinen Namen lesen konnte, wohl wissend, dass jeder Name am Ende mit einer Strafe bedacht werden würde. Die Tafel, vor der ich wer weiß wie oft, verzweifelt und ahnungslos stand. Auf dem Holzboden, der schon getränkt vom Angstschweiss von Generationen verwirrt, orientierungslos tropfender Grundschulkinder längst mürbe und knorrig geworden war und mit seinem gequälten Knarzen die lähmende Stille des Unwissens zu einer Dolby-Surround-Stille gemacht hatte. Denn die stillste Stille, wird noch sehr viel stiller und unheimlicher, wenn in ihr ein Boden knarzt. Und dieser Boden knarzte wie ein betrunkener, schnarchender Dachs.
Es löste Diskussionen aus, als die Spedition vor der Tür stand und ich der Familie gestehen musste, dass ich einem inneren Drang folgend, bei ebay meine alte Grundschulschultafel ersteigert hatte. Für gerade mal 4 Euro 72, ha, plus naja dann allerdings nochmal 63 Euro 50 Versandkosten. Die Familie vertrat die Auffassung, wir bräuchten gar keine Grundschultafel in der Wohnung. Es folgte eine hitzige, unerfreuliche Diskussion.
Im Prinzip war es wie damals, als ich ein Modell der Originalmelkmaschine ersteigerte, auf der ich in meiner Kindheit Kühemelken gelernt hatte.

Niemand wollte die Tafel, also musste ich sie in mein kleines Zimmer schaffen. Und dann begann es. Nachts hörte man plötzlich grausige, unheimliche Geräusche, Knarzen, aber auch dieses schlimme Geräusch nasser Kreide, die quietschend über die Schiefertafel gezogen wird. Ich rannte ins Zimmer, doch da war nichts bei der Tafel, nicht einmal Kreide. Aber es kam noch schlimmer. Wenn ich morgens erst nach acht ins Zimmer kam, stand plötzlich links oben an der Tafel mein Name. Der Name des Zuspätkommers. Kam ich vor acht, war alles gut. Doch wehe ich war später, dann stand da der Name und alles an diesem Tag ging schief. Der Bus fuhr mir vor der Nase weg, Geschäfte schlossen genau, wenn ich die Tür erreichte, in der Rathauskantine war mein Wunschessen direkt bevor ich dran war aus. Immer kam ich zu spät. Bei allem.
Es stellte sich heraus, daß ein Fluch auf meiner alten Grundschultafel lag. Das jahrelange Anklagen und Leid der Zuspätkommer hatte sich tief in die Seele der Tafel gefressen.
Wir liessen einen Exorzisten für Grundschulgegenstände kommen, aber der sagte, es sei zwecklos. Der Fluch, die Kraft des Zuspätkommens sei untrennbar in der Tafel verankert. Nur ihre völlige Zerstörung könnte dafür sorgen, daß nicht für alle Zeiten alles mit dem sie in Kontakt käme, viel, viel, viel zu spät dran wäre. Also brachten wir sie schweren Herzens zum Recyclinghof, wo sie dann verschrottet wurde. Ein Teil meiner Kindheit. Einfach verschrottet. So traurig hätte die Geschichte eigentlich enden können.
Doch als ich dann hörte, daß ausgerechnet dieser Recyclinghof, den aller-, aller größten Teil der neugewonnen, also recycelten Rohstoffe für den Bau des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg geliefert hat, da hatte ich doch ein bisschen ein schlechtes Gewissen.

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